Liebe Blogleser-Gemeinde! Nach längerem Warten darf ich euch heute wieder mit einem Eintrag begrüßen; Grund der längeren Pause ist schlicht und einfach ein Mangel an Zeit. Nichtsdestotrotz versuche ich so viel wie möglich in jeden einzelnen Beitrag zu packen, wobei natürlich nicht alles Erwähnung finden kann.

Um unserer kulturelles Wissen rund um Korea etwas aufzubessern stand letzten Samstag ein von der Universität organisierter Ausflug nach Seoul auf dem Programm. Erstes Ziel an diesem regnerischen Tag war der "Gyeongbokgung"-Palast welcher 1395 errichtet, 1592 von den Japanern zerstört und 1868 wiederaufgebaut wurde. Das gesamte Gelände umfasst rund 410.000 Quadratmeter auf welchem sich 330 Gebäude mit insgesamt 5792 Räumen befanden. Da der Palast im Jahre 1911 abermals von den Japanern fast vollständig abgerissen wurde ist er bis heute noch nicht vollständig rekonstruiert. Das gesamte Areal befindet sich am nördlichen Stadtrand von Seoul.


Nach eineinhalbstündiger Besichtigung gings weiter zur "Coex Mall"; dem größten Shoppingcenter in Seoul, welches sich unterirdisch im Bereich des "World Trade Center Seoul" über eine Fläche von 85.000 Quadratmetern erstreckt.

Im Vergleich zur SCS in Wien-Vösendorf (160.000 m²) ist die Größe jedoch sehr überschaulich. Innen gibts es neben zahlreichen Geschäften ein Kino, des Weiteren ein riesen Aquarium sowie eine game area von Microsoft.
Da man in Seoul eigentlich ständig im Stau steht verging die Zeit sehr schnell, weshalb als letzter Programmpunkt die Besichtigung des "National Museum of Korea" auf der Tagesliste stand. Ich könnte jetzt stundenlang über die verschiedenen feinen Unterschiede der geschätzten 3000 ausgestellten Vasen philosophieren oder ein Statement zu marginalen Farbdifferenzen der hier präsentierten Steine abgeben aber Mal im Ernst; selten habe ich mich so sehr gelangweilt wie in diesem Museum.



Architektonisch sowohl innen als auch außen ein sehenswertes Gebäude, jedoch gestaltet sich die Aufmachung als äußerst lieblos, so wie man es von Museen welche hauptsächlich das Paläolithikum behandeln gewohnt ist. Einzig interessanter Punkt war ein kurzer Überblick über die Entstehung der koreanischen Schrift, interessanter wurde es danach jedenfalls nicht mehr. Kurzzeitig kam mir die Idee, dass unter Umständen eine Führung oder zumindest ein Audiguide den Besuch informativer gestalten würden, angesichts der Ausstellung von Bildern in der "Fine Art Gallery" wurde der Gedanke jedoch schnell wieder verworfen. Man mag mich gerne als Kunstbanause titulieren, ich bevorzugte einen Aufenthalt in angrenzender Cafeteria. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Korea bekam ich die Möglichkeit wieder einmal grünen Salat zu essen, allerdings war der Geschmack des süßen Kiwi-Dressing sehr gewöhnungsbedürftig. Überhaupt hat sämtliches Essen hier einen süßen Touch, es gibt nur Süßkartoffel und selbst in den meisten scharfen Saucen ist oft Honig enthalten.
Da man am Campusgelände selbst nicht sehr viel unternehmen kann und alleine einen Film zu schauen herzhaft wenig Spaß macht (By the way; Die Internetverbindung hier gibt teils bis zu 15 mbit her, neues Material ist also schnell besorgt) entschlossen wir (2 x Österreich, 1 x Deutschland, 3 x Korea) uns letzten Dienstag dazu, ins Kino zu gehen. Da die letzte Vorstellung von "Mr. Brooks" erst um 00:30 begann konnten wir vorher noch eine Kleinigkeit essen gehen, frittiertes Huhn bekommt man hier in fast jedem Restaurant. Da mir nach dem Essen nach einer kleinen Nachspeise zumute war und ich es nicht auslassen konnte vor unseren koreanischen Studienkollegen über meine Vorliebe für scharfes Essen zu berichten gabs anschließend so genanntes "Ddeokbokki", welches hier an jeder Ecke verkauft wird.


Ddeokbokki ist eine Art Reiskuchen in mundgerecht großen Stücken, das ganze wird in einem Schälchen mit einer Chili-Sauce serviert. Der Spaß daran: Der Schärfegrad der Sauce variiert von Stand zu Stand. Da wir natürlich den Vorteil von koreanischem Insiderwissen genossen wurde aus der ursprünglichen Intention schnell eine Wette. Da ich ein "I bet, you can't stand that" nicht so einfach im Raum stehen lassen konnte machten wir uns also auf, um unsere Geschmacksknospen zu betäuben. Und ja, es war verflucht scharf. Jedoch wurde die ganze Schüssel restlos geleert, sogar der Rest der Sauce wurde kurzerhand getrunken. Meinen Herausforderer hatte es allerdings noch härter erwischt als mich, sein schweißnasses Gesicht sprach 30 Minuten für ihn, bis er wieder Worte fand. Später fiel mir dazu passender Spruch ein: "Richtig scharf ist es erst dann, wenn man es am nächsten Tag noch spürt!" Ich habs gespürt...
Der Film war jedenfalls äußerst sehenswert, in koreanischen Kinos werden sämtliche Lautsprecher jedoch bis zum Anschlag aufgedreht was teilweise richtig schmerzhaft ist. Von allzu actionreichen Filmen würde ich in Korea stark abraten da ansonsten die Gefahr eines Hörsturzes keine Unerhebliche ist.
Zurück zu meiner Lieblingsbeschäftigung hier; essen. Der "Ajou-Friends-Club" (Ein Club der gemeinsame Aktivitäten für Exchangees und Koreaner plant) hat letzten Donnerstag ein "Korean Cooking" organisiert. Zubereitet wurde neben dem bereits bekannten Ddeokbokki auch
"Gimbap" (eines meiner Lieblingssnacks hier) sowie eine Art
"Kimchi"-Palatschinke. Letzteres schmeckte nach... naja lassen wir das lieber. Man kann sichs ungefähr vorstellen. Für den ersten Versuch gelang mein Gimbap jedoch nicht schlecht.

Neben den kulturellen Unterschieden gibt es allerdings auch Dinge, die anscheinend in jedem Land gleich sind; Trinkspiele. Kein Abend an dem nicht weniger als 4 Leute gemeinsam Fortgehen vergeht hier ohne des Konsums von purem oder mit Zitrone versetztem Soju. Dieser so genannte "Lemonsoju" ist jedoch äußerst delikat, vorallem aber nicht ganz so stark und somit gut für das "Game of Death" oder andere Späße geeignet.

Und noch was zum Thema Essen (Nein, ich habe noch nicht 5 Kilo zugenommen seitdem ich hier bin): Da ich beim Flug von Dubai nach Seoul eine äußert nette koreanische Sitznachbarin hatte, welche als General Manager bei
Hanjin arbeitet und ich anscheinend keinen allzu schlechten Eindruck erweckte bin ich gestern Abend nach Seoul zum Dinner eingeladen worden. Das Essen war einfach... wow. Spitze. Ähnlich wie bei unserem Ersten Besuch eines typisch koreanischen Restaurants wurde alles in kleinen Schälchen serviert (Reis, Knoblauch, Zwiebel, äußert delikater Salat, Kürbis-Kartoffelpüree, weißes Kimchi, rotes Kimchi, Erdnüsse in Sojasauce, Chilischoten, Karotten, etc. etc.), mit dem Unterschied dass dieses Restaurant vom Ambiente, Geschmack des Essens und natürlich auch vom Preis her eher im High-Class Bereich angesiedelt war. Das Fleisch wird hier roh serviert und mithilfe des in der Mitte des Tisches angebrachten Grills selbst gebraten. Sobald eine der kleinen Schälchen leer ist wird sofort nachserviert. Somit kann essen soviel man will und das hab ich auf jeden Fall getan. Selten so gut gegessen.

Nach dem hervorragendem Essen und einem kurzen Verdauungsspaziergang durch ein Nachtviertel von Seoul gabs ein weiteres Highlight: Von der Terrasse des "Hyatt Hotel", welches am Berg "Namsan" steht, hat man bei Nacht einen fantastischen Blick auf ganz Seoul. Im untersten Stock befindet sich eine große Lounge, welche rund 5 verschiedene Bars beherbergt. Eine exzellente Liveband rundete einen netten Abend ab. Da die Busse bis 1 Uhr morgen zurück nach Suwon fahren hat man also auch kein Problem, wieder nach Hause zu kommen. Heute steht noch die Erledigung von diversen Sachen für die Uni auf dem Terminplan wobei mir ehrlich gesagt ein wenig die Motivation fehlt. Aber was solls, in rund 3 Monaten ist schon wieder Semesterende hier. Hoffentlich vergeht nur die Lernzeit schnell.