Freitag, 31. August 2007

Die erste Unterrichtswoche

Nachdem ich die letzte Woche zugegebenerweise etwas schreibfaul war folgt hier nun ein Bericht über den Unterrichtsablauf an der Uni. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings auch klarstellen dass die letzten Tage sehr ereignislos waren und ich aus diesem Grunde auch keinen echten Anlass hatte, einen neuen Post zu schreiben.

Noch eine Kuriosität am Rande; wer einmal Korea besucht sollte es nicht missen, die "Restroom Tour" mitzumachen. Über einen Bericht darüber wäre ich sehr dankbar ;-) (Das Foto stammt von der Rückseite eines Reisebusses).

Hier an der Ajou University werde ich dieses Semester folgende Kurse belegen:
  • Business Communications II
  • Principle of Economics II
  • Financial Management
  • Business Workshop (Cross-Cultural Management)
  • Beginning Korean Language
Pro Kurs hab ich zwei mal 75 min. Unterricht pro Woche, in Summe also 12,5 Stunden, wobei ich frühestens um 10:30 beginne und Freitag - Sonntag Unterrichtsfrei ist. Auf den ersten Blick hört es sich also wie fast nur Freizeit an, allerdings sind koreanische Unterrichtsmethoden sehr stark auf Selbststudium ausgerichtet. Hier wird es als selbstverständlich erachtet, dass man sich vor jeder Unterrichtseinheit in ein Kapitel einliest um somit schon ein gewisses Maß an Vorwissen in den Unterricht mitzubringen.

Der Unterricht selbst gestaltet sich aus Sicht des Professors oftmals als Monolog, Wortmeldungen oder gar Diskussionen sind aus einem einfachen Grund nicht möglich: Da Koreaner wie bereits berichtet ein gewisses Manko in Bezug auf die englische Sprache haben und noch dazu oftmals Probleme damit haben, vor mehreren Leuten zu sprechen ist es selten der Fall, dass jemand eine Frage stellt oder in anderer Weise seinen Beitrag zum Unterricht leistet, selbst wenn er oder sie gezielt angesprochen wird. Die Angst davor, etwas Falsches oder Unverständliches zu sagen ist einfach zu groß.

Aus diesem Grunde nehmen sämtliche Exchange-Studenten im Unterricht selbstverständlich eine Sonderstellung ein, da es alle Professoren sehr gerne sehen wenn jemand seinen persönlichen Beitrag zum Unterricht leistet. Die Englischkenntnisse der Vortragenden sind als ausreichend bis sehr gut zu bezeichnen, Business Communications II wird von einem Engländer unterrichtet, sämtliche restliche Fächer von Koreanern. Das Niveau wird durchaus sehr hoch gelegt, auch wird das hier anscheinend übliche kopieren und gegenseitige abschreiben sehr strikt unterbunden. Die Notenverteilung erfolgt hier nach dem amerikanischen System von A bis F, wobei A einem österreichischem 1er entspricht, B einem 2er, C einem 3er, D einem 4er und F einer 5 (unter 60%). Alle Noten werden dazu noch in + und 0 unterteilt, Also A+, A0, B+, B0 etc. In manchen Fächern werden die Noten nach festen Prozentsätzen vergeben, d.h. dass eine Mindestzahl an Studenten ein A bekommen muss, jedoch auch eine Mindestzahl sicher negativ abschneiden wird.

Üblicherweise, sofern keine Quotenregelung vorhanden ist bewegen sich die Noten zwischen A+ und C0, Ds und Fs werden nur in den seltensten Fällen vergeben, da mit einem D der Kurs zwar als bestanden gilt, im Gegensatz zur österreichischen Mentalität von "Hauptsache über 60% und somit geschafft" diese Note als mittlere Katastrophe geachet wird. Noten spielen hier also eine tragende Rolle wenn es später einmal darum geht, diese vorzeigen zu müssen.

Mitlerweile ist meine Kollegenschaft in diesem Zimmer auf 3 angewachsen, zu meinem chinesischen Roommate haben sich noch 2 Koreaner gesellt. Die beiden sind jedoch selten hier da sie nicht lange brauchen um nach Hause zu fahren und hauptsächlich deshalb am Campus wohnen, um in Ruhe lernen zu können. Trotzdem is es natürlich eine mehr als gewöhnungsbedürftige Lebenssituation, wenn man seine Privatsphäre auf die morgendliche Dusche mit nach Chlor riechendem Wasser beschränken muss.

Auch hier gibt es allerdings Mittel und Wege um sich ein Stückchen Freiheit zurückholen zu können... Und zwar von hier

nach da


Um die Geschichte zu vervollständigen; gestern stand zu Wochenendbeginn natürlich ein ausgereiftes Abendprogramm an, welches u.A. ein Live-Konzert einer koreanischen Progressive-Metal Band beinhaltete. Wer die japanische Band "Dir en grey" kennt hat eine gute Vorstellung, auf welcher Schiene sich dieses Konsortium bewegte (Mir ist durchaus bewusst das keiner diese Band kennt :p). Somit also eine willkommene Abwechlsung zur sonst üblichen Bar- und Clubmusik.

Da heute ab 10.00 AM eine gründliche Desinfektion aller Räumlichkeiten auf dem Programm stand hätte mich mein 2,50 € Wecker (erstanden an einem Marktstand in Seoul, läuft falsch, tickt zu laut) also gegen halb 10 aus meinem wohlverdienten Schlaf geholt. Um dem vorzubeugen haben wir also gegen 4 Uhr morgens kurzerhand beschlossen, ins Hotel auszuziehen. Mit frischer Wäsche und einer Zahnbürste gings ins nächste Taxi, ab ins Hotel "Suwon Castle". Zu unserem Glück haben wir den vermutlich EINZIGEN Taxifahrer in ganz Korea erwischt, der akzeptabel Englisch sprechen konnte und uns aufgrund von geschätzten 100 € für die Übernachtung in ein weitaus günstigeres Hotel verwies.

Dieses so genannte "Hotel Nix" übertraf unsere Erwartungen bei Weitem; für 12€ pro Person im Doppelzimmer wurde uns wahrer Luxus geboten. Badewanne mit Massagedüsen, großes Bett, Fernseher, Klimaanlage, etc. Vorallem war alles sehr sehr sauber, Handtücher und Duschgels waren ebenfalls vorhanden.

Um den Preis bekommt man zu Hause nichts Vergleichbares. Da diese Art von Hotel anscheinend auch hier gerne von... "Pärchen" genutzt wird war im Preis auch ein kleines Welcome-Package inkludiert, welches neben 2 Zahnbürsten und Instant-Kaffee auch Kondome und andere "...Accessoires" beinhaltete. Hier denkt man also mit ;-)

Somit stand also einem langen Ausschlafen bis 3 Uhr nachmittags nichts im Wege, am selben Tag besuchten wir noch einen Markt in Suwon und hielten Ausschau nach gebrauchten Mobiltelefonen. Diese kann man in Korea nur mit gültigem Pass kaufen, weiters gibt es hier keine Sim-Karten sondern muss jedes Handy über den jeweiligen Anbieter registriert werden. Ein langes Procedere also, bei welchem uns 2 koreanische Freunde gerne behilflich waren.

Da Buddhismus hier in Korea weit verbreitet ist trifft man vereinzelt auf Darstellungen einer Swastika, welche hier allerdings wie allgemein bekannt sein sollte eine ganz andere Bedeutung, nämlich die des Sonnenrades haben. Des Weiteren zeigt die ursprüngliche Swastika gegen den Uhrzeigersinn.

Damit wären die Ereignisse der letzten Woche auch schon wieder zusammengefasst, morgen geht es wiedermal nach Seoul, diesmal allerdings nicht privat sondern von der Universität aus organisiert. Hoffentlich kennen die sich mit dem Ubahn-System aus. Euch Allen ein schönes Wochenende.

Montag, 27. August 2007

Kurze Info

Ab sofort ist dieser Blog auch unter www.ajoublog.com erreichbar

Sonntag, 26. August 2007

Die Fortsetzung der Entdeckungstour

Der Kulturschock ist bis jetzt im Großen und Ganzen ausgeblieben. Trotzdem muss man grundsätzlich offen sein für Neues und gewisse alte Schemata ablegen, um sich in der koreanischen Welt zurechtzufinden. Sobald man aber bereit dazu ist, sich anderen Sitten und Bräuchen gegenüber anzupassen und diese zu respektieren steht einem lehrreichen Aufenthalt nichts mehr im Wege.

Der zweite Orientation Day verlief ebenfalls unspektakulär, es ging in erster Linie um Inskription bzw. Wechsel der Kurse. Ebenfalls bekamen wir unsere Student-ID Card die mehrere Funktion wie z.B. Türöffner, Bezahlkarte für den Bus oder auch eine Bankomat-Funktion falls man ein Konto eröffnen möchte. Am Nachmittag stand eine kleine Tour durch Suwon auf dem Programm. Auf dem Foto ist die Vorliebe der Koreaner für Hochhäuser sehr leicht zu erkennen ;-)

Als erster Besichtigungsort stand die Hwaseong-Festung auf dem Programm. Diese wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Zu dieser Zeit umgab eine runde 5km lange Mauer die gesamte Stadt, ein Großteil der gesamten Festungsanlage wurde allerdings während des Koreakrieges zerstört und nur ein Teil wieder aufgebaut.

Anschließend gings zu einem nachgebauten Dorf, welches die Zeit während der Besatzung Koreas durch Japan widerspiegeln soll. Korea (inkl. dem heutigen Nordkorea und Teilen Chinas) war von 1910 bis 1945 vollständig von Japan annektiert. Da die japanische Besatzungsmacht grundlegende Rechte der Koreaner missachtete und Aufstände blutig niedergeschlagen wurden, sind Japaner in Korea auch heute noch wenig erwünscht. Vollständige Historie




Abends stand wiedermal ein ausführlicher Besuch diverser koreanischer Bars auf dem Programm.


Der darauffolgende Tag stand ganz im Zeichen eines ganztägigen Besuchs der Hauptstadt Koreas; Seoul. Das Busticket von Suwon nach Seoul kostet rund 1,40 € und ist somit das günstigste Verkehrsmittel um in rund 80 Minuten an den Stadtrand von Seoul zu kommen. Von dort steigt man in die Ubahn um, diese kostet rund 85 cent pro Strecke.

Was in Seoul sofort als Erstes auffällt sind Massen von Menschen und Autos. Tagsüber ist es noch erträglich, Nachts bewegt sich scheinbar die gesamte Bevölkerung auf den Straßen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 17.090 Einwohner je km² (Vergleich München: 4.300 Einwohner je km²). Des Weiteren besitzt Seoul die schlechteste Luftqualität aller Hauptstädte der OECD. Sich in dieser riesigen Stadt zurechtzufinden ist ohne Ortskenntnisse ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Raus aus dem Bus - Rein in die Ubahn - am Ziel wieder raus. So einfach wäre es in der Theorie, gäbe es nicht den Unterschied dass es in Korea absolut nicht üblich ist, alles in koreanisch UND englisch anzuschreiben. Da Koreaner aber wie bereits berichtet irrsinnig hilfsbereite Menschen sind konnte uns auch diesmal wieder jemand unter die Arme greifen. Ein rund 18-jähriger mit für koreanische Verhältnisse hervorragenden Englischkenntnissen bot uns jede Menge Informationen an nachdem wir mehr als hilflos vor verschlossenen Durchgangsschranken standen. Da es bei kleineren Station keine Ticketstellen gibt muss man hier Ticketautomaten benutzen. Diese nehmen aber nur Kleingeld in Form von 500 Won-Münzen. Um diese zu bekommen muss man vorher an anderen Automaten Scheine in Münzen tauschen, dies war allerdings nur mit "alten" Scheinen möglich. (Das koreanische Währungssystem wird anscheinend auf neue Scheine mit neuen Sicherheitsmerkmalen umgestellt, alte Scheine sind vereinzelt aber noch im Umlauf, jener Automat nahm aber nur alte Scheine). Von selbst kommt man auf solche Dinge allerdings nicht drauf.

Der Weg vom Stadtrand zum Ziel (Ein Markt- und Einkaufsgebiet) beinhaltete 2-faches Umsteigen, hier fing der Spaß erst richtig an. Da unserer Ubahnplan im Mini-Format nur koreanisch war, mussten wir bei jedem Mal die "Zeichenzusammensetzung" der Endstation mit den Schildern in der Station vergleichen, um die richtige Ubahn auch in die richtige Richtung zu nehmen. Bei zweiten Mal umsteigen fuhren wir also geradewegs in die falsche Richtung, was wir spätestens an der nächsten Station bemerkten. Also raus aus der Ubahn, Stiege rauf, Stiege runter und richtig; wieder in die falsche Richtung. Schlussendlich waren wir dann am Bahnhof in Seoul.

Des Weiteren gibt es verschiedene Preise der Ubahntickets, abhängig davon wie weit man fahren möchte. Man steckt das Ticket also beim Betreten des Bahnsteigs und macht dies ebenfalls wieder mit dem selben Ticket beim Verlassen. Blöd nur, wenn man weiter fährt, als das Ticket gültig ist, denn dann kommt man aus dem Ubahngelände nicht mehr raus, außer man besticht Reinigungspersonal für teures Geld, die Ausgangstüre zu öffnen.

Schlußendlich fanden wir dann doch zum "Dongdaeum Stadium", wo sich jede Menge Märkte und Einkaufszentren finden. Um ein Stückchen Heimatgefühl aufkommen zu lassen führte uns unser Weg direkt zum nächsten Burger King.

In jedem Geschäft der geschlossenen und überdachten flachen Märkte wird immer nur eine Art eines gewissen Produktes verkauft, z.B. Knöpfe, Bücher, Stoffe, etc. Hier wird hauptsächlich in großen Mengen gekauft. In den rund 10-15-stöckigen Einkaufszentren hat jeder Händler sein eigenes Areal wobei im jeweiligen Stockwerk nur ähnliche Shops zu finden sind, also in einem Herrenbekleidung, im nächsten Taschen, in einem anderen Schuhe, etc. Alle hier verkauften Produkte sind allerdings entweder von koreanischen Firmen hergestellt oder Noname, nur sehr selten findet man Fälschungen westlicher Marken.


Nach langem Herumlaufen war gegen 5 Uhr Nachmittag ein Zwischenstop im Kino fällig; Simpsons-Movie auf Englisch mit koreanischen Untertiteln. Als wir danach wieder auf die Straße traten, standen plötzlich hunderte von Marktständen am Straßenrand, als ob sie aus dem Boden gewachsen wären. Hier konnte man von gefälschten Schuhen über Sonnenbrillen und Jeans wirklich alles kaufen. Viele Stände verkaufen hier auch Essen zu wahrlichen Spottpreisen.

Die Qualität ist verhältnismäßig schlecht, erkennbar an den 4 Bechern mit eingebautem Kompass in der Mitte; alle Zeigen in 3 verschiedene Richtungen :-)

Mit Rechtschreibung nimmt man es hier im Übrigen auch nicht sehr genau.

Danach war auch schon Schluss, es ging wieder zurück nach Suwon und anschließend -richtig- in die nächste Bar. Diesmal waren auch mehrere andere Exchange-Studienkollegen unterwegs, bei einer Runde Poker, Dart, Pool und interkulturellem Austausch von Trinkgewohnheiten (mexikanischer Paloma: Cider mit Tequila, Zitrone und Salz, nur empfehlenswert!) war erst gegen halb 6 Uhr morgens Schluss.

Am darauf folgenden Tag stand also langes Ausschlafen und das Einkaufen von ein paar wichtigen Dingen (Fön, Waschmittel, Bügeleisen, etc.) auf dem Programm. Selbst am Sonntag hat hier einfach alles offen.

Mitlerweile ist es nach2 Uhr morgens, in 10 Stunden beginnt meine erste Unterrichtseinheit in "Business Workhop". Nebenbei muss ich hier doch auch studieren. Oder so tun als ob ;-)

Gute Nacht.

Freitag, 24. August 2007

Bericht der ersten 2 Tage!

So, nachdem ich nun also schon 2 Tage in meiner vorübergehend neuen Heimat Korea bin und bis jetzt noch absolut keine Zeit hatte wird nun also der erste Eintrag für den Blog fällig.

Am Dienstag ging das Abenteuer los, der Flug ging von München um 15.45. Auf Grund der Tatsache dass mein Vater bei Anfahrten zu Flughäfen immer die pannen- und staureichste Anfahrt einberechnet waren wir schon gegen halb 1 am Airport, die Wartezeit war allerdings nicht sonderlich schlimm da Boarding bereits um 14.45 möglich war und Mittagessen, Check-In bzw. Passkontrolle ebenfalls Zeit beanspruchten.

Nach 6 Stunden Flugzeit mit Fly Emirates, welche abgesehen von typischem Flugzeug-Essen ein hervorragendes Service bieten stand ein 3-stündiger Zwischenstop in Dubai auf dem Programm. Für jeden der ebenfalls schräge Blicke von einem arabischen Sitznachbarn ernten möchte; FHM lesen und Heineken bestellen ;-)

Da es in Dubai bei Ankunft genau Mitternacht war, hatte man einen wunderbaren Blick über die gesamte Stadt, ebenso war die künstlich aufgeschüttete Palmeninsel gut zu erkennen. Der Flughafen hat jedenfalls von außen gigantische Ausmaße, innen durfte ich mich nur im Transferraum aufhalten, welcher den Duty-Free Shop beinhaltet. Alleine dieser ist so groß wie ein Einkaufszentrum. Zigaretten gabs zum Spotpreis zum Preis von ~13$ pro Stange.


3 Stunden später verließ der Anschlussflug nach Seoul die Startbahn. Wie auch beim ersten Flug war das Service spitze, Bier gratis und jeder Sitz hatte sein eigenes Entertainment-System mit welchem man Fernsehen (~10 Movie-Channels, 2 Außenboardkameras, Fluginfo), Radio hören (40 Themensender), spielen (50 Mini-Spiele die man auch gegen andere Fluggäste spielen konnte) und emails bzw. SMS verschicken konnte. Einziger Nachteil der Fliegerei: 12 Stunden dauer nach Seoul ist irrsinnig anstrengend sobald man größer als 1,70m ist. An Schlaf war nicht zu denken da es dazu einfach zu unbequem war.

Um 16.45 Ortszeit (MET +7:00) war die Odyssey vorläufig endlich beendet; Landung am Incheon Int. Airport nähe Seoul. Da die Einreisebestimmungen anscheinend sehr streng in Korea sind brauchte ich fast eine Stunde bis ich durch den Zoll war und mein Gepäck VOLLSTÄNDIG (!) wieder fand. Vor dem Flughafen wurde ich von einer Studentin der koreanischen Uni abgeholt, per Bus gings dann rund 1:30 h nach Suwon (~35km südlich von Seoul) zur Ajou Universtiy. Suwon ist eine Vorstadt von Seoul und hat rund eine Million Einwohner. Die Temperatur lag zu diesem Zeitpunkt bei ca. 25°, die Luftfeuchtigkeit bei gefühlten 80%. Im Moment herrscht hier also drückende Hitze, allerdings sind alle Räumlichkeiten und Busse gut klimatisiert.

An der Uni angekommen bezog ich als erstes meine neue Unterkunft welche im Grunde genommen aus einem Zimmer mit Betten, Schreibtischen und Kästen besteht. Geteilt wird dieses kleine Reich mit Simon, ein Chinese welcher Literatur studiert und ebenfalls ein Semester in Korea auf Exchange ist.

Allerdings hatte ich keine Zeit um ein wenig zu entspannen da bereits kurz nach meiner Ankuft eine kleine "Erkundung der Umgebung" mit Joe (aus Tennessee, U.S.) und Kathi (Studienkollegin aus Krems) auf dem Programm stand. Im Endeffekt landeten wir nach 15 Minuten in der nächsten Bar um uns an das koreanische Nachtleben anzupassen.
In Korea hat man die Wahl zwischen teuren westlichen Getränken und verhältnismäßig billigen koreanischen. Internationale Biersorten wie Heineken & Co. kosten ca. 4-5€ je halben Liter, koreanisches Bier bekommt man hingegen um rund 1,50€. Es schmeckt erstaunlich gut, typisch asiatisch. Für Freunde besserer Unterhaltung gibt es hier überall "Soju", ein Vodkaähnliches Reisgetränk mit 20% Alc., das für 2€ je 250ml zu haben ist, grausam schmeckt und für Kopfschmerzen am nächsten Tag sorgt.

Mittwoch Vormittag war dann der erste unserer "Orientation Days". Im Grunde genommen ging es nur darum, uns die wichtigsten Dinge für die kommenden Tage und Wochen zu erklären. Da meine Wochenstundenanzahl stolze 12,5 beträgt wird dieses Semester wohl nicht allzulange in Hörsählen verbracht werden. Ebenfalls standen Vorführungen verschiedener koreanischer Gruppen auf dem Programm, u.a. eine Musik- und eine Taekwondo-Gruppe.


Am frühen Abend machten wir uns auf den wegen in eines der zahlreichen Shoppingcenter um ein paar Utensilien zu besorgen, ganz oben auf der Liste stand ein Polster da die vorangegangene Nacht auf meinem zur Verfügung gestellten aufblasbaren mini-Polster etwas schmerzhaft für mein Genick war. Das ideale Fortbewegungsmittel für Strecken unter 10 min. ist das Taxi, welches rund 3€ für 5 Minuten Fahrzeit kostet.

Für den kommenden Abend war ebenfalls ein Besuch verschiedener Bars geplant, davor wollten Joe, Kathi und Ich aber noch eine Kleinigkeit essen gehen. Hier in Korea gibt es wirklich überall etwas zu essen, an jeder Strassenecke und dazwischen auch. Zu jedem, aber wirklich jedem Essen gibt es "Kimchi", ein in Salzwasser eingelegter und anschließend mit Knoblauch, Chili, Ingwer, etc. gewürzter Kohl. Gegessen wird Kimchi immer kalt, allerdings schmeckt es besser als erwartet. Überhaupt ist das koreanische Essen sehr nahrhaft, gesund und sehr scharf, letzteres ist allerdings sehr erwünscht von mir.

An diesem Abend sahen wir also zufällig ein Restaurant, welches klassiche koreanische Küche bot. Mit Händen und Füßen wurde also irgendetwas bestellt, denn 90% aller Koreaner können kein Wort Englisch. Die Speisekarte war zum Glück mit netten Bildern versehen, nach welchen wir unsere Auswahl treffen konnten.


In typisch koreanischen Restaunts ist es übrigens üblich, die Schuhe vorher auszuziehen um dann über kleinen Tischen sitzend zu essen. Eingeschlafene Füße sind also vorprogrammiert :-)

Die Menge an Essen war wirklich unglaublich. Jeder bekam eine Suppe, Salat und Reis, auf dem mitleren großen Teller lag gekochtes Scheinefleisch, Kohlblätter und richtig; Kimchi. In den Schälchen rundherum gabs dazu Fisch, Pilze, Seegras, jede Menge scharfe Saucen und lauter unbekanntes Zeug. Das ganze isst man hier folgendermaßen: Zuerst ein Blatt Kohl auf den eigenen Teller legen, darauf kommt dann Reis, Fleisch, Gemüse, Saucen, Knoblauch, etc, das ganze wird zusammengerollt und mit einer ordentlichen Portion Kimchi garniert. Es schmeckt wirklich hervorragend, vorallem ist diese Art zu Essen mehr als interessant. Das ganze hat uns übrigens zusammen mit Getränken 26 € gekostet. Die Preise sind hier also wirklich in Ordnung, solang man keine westlichen Produkte kaufen will/muss.

Nach dem ausgiebigen Mahl gings ein weiteres Mal daran, das Nachtleben mit ein par Runden Billard,



Bier


und Spontanfreundschaften zu erforschen.


Koreaner sind sehr gesellige und hilfsbereite Leute, auch wenn sie kaum oder sogar gar kein Englisch sprechen versuchen sie mit jemandem zu kommunizieren, so gut dies möglich ist. Da auch die Taxifahrer kein Englisch sprechen reicht es oft jemanden auf der Straße anzusprechen und ihn oder sie zu bitten, dem Taxifahrer das gewünschte Ziel zu nennen. Der heutige Tag stand im Zeichen des zweiten Orientation Day, dazu gab es eine kleine Stadtbesichtigung. Da es inzwischen bereits ~21:10 ist und sich langsam ein Bedürfnis nach Essen breit macht wird der Bericht allerdings auf morgen verschoben werden. Wir haben vor, morgen nach Seoul zu fahren, insofern wird es auf jeden Fall einiges zu berichten geben.

Bis bald.

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