Dienstag, 13. April 2010

Formel 1 GP

Mittlerweile auch schon ueber eine Woche her moechte ich noch kurz ueber mein erstes  live erlebtes Formel 1-Rennen berichten. Seit 1999 gastiert der Rennzirkus nun schon in Sepang, aufgrund des wechselhaften Wetters gehoeren die Rennen in Malaysia meistens zu den eher spannenden, dieses Jahr war jedoch leider nur das Qualifying verregnet.

Preislich befindet man sich bei diesem Event eher im hoeheren Bereich, die guenstigten Tickets kosten 20 Euro (Hillstand), ich habe mir ein ueberdachtes Hillstand-Ticket fuer 40 Euro gegoennt, mittelmaessige Sitzplaetze kosten ca. 300 Euro und wer an der Start-Ziellinie sitzen will, der wird locker eben mal 1000+ Euro pro Ticket los. Im Vergleich dazu kostet das teuerste Moto-GP Ticket fuer Sepang gerade mal 20 (!) Euro, bietet wesentlich mehr Spannung und ist meistens das Entscheidungsrennen, da es eines der letzten der Saison ist. Planmaessig bin ich aber leider nicht mehr in Malaysia, wenn es dieses Jahr stattfindet.

Da die Parkplatzsituation eine Katastrophe ist, fuhren wir mit einem Suttlebus zum Rennkurs, beim Qualifying war der Besucheransturm zum Glueck noch moderat. Am Rennsonntag jedoch erreichte das Verkehrsnetz seine Grenzen, obwohl das Rennen nicht mal ausverkauft war. Mit dem Bus braucht man ca. 90 Minuten  von KL nach Sepang, danach mit einem weiteren Shuttlebus 30 min. (dank Wartezeit) zum richtigen Gate, um einen guten Platz zu bekommen sollte man mindestens eine Stunde vor Startbeginn dort sein.



Vom Rennen selbst bekommt man relativ wenig mit, an der Strecke sind zwar Screens, jedoch sind diese zu weit entfernt, um die aktuelle Reihenfolge der Fahrer zu sehen. Welches Team in Fuehrung ist kann man gut mitverfolgen, die einzelnen Fahrer jedoch nur sehr schwer. Ich wusste z.B. das ganze Rennen ueber nicht, dass Vettel ab der ersten Kurve vor Webber in Fuehrung lag, oder welcher der beiden Ferrari am Ende ausgeschieden ist.

Die Atmosphaere muss man trotzdem zumindest einmal erlebt haben. Die Autos sind unheimlich laut (ohne Ohropax fast nicht auszuhalten), die Stimmung ist gut und es macht Spass, das Ganze einmal live zu spueren. Einmal reicht dann aber auch, bis ich nach Rennende zurueck in KL war vergingen ca. 5 Stunden, kein Vergleich zu einem gemuetlichen Nachmittag auf der Couch...

There is no love in KL



Ein Verstoss wird mit bis zu einem Jahr Haft bestraft, zumindest theoretisch.

Freitag, 2. April 2010

Back in Beijing, welcome to KL!

Lange versprochen - bis dato nicht eingehalten: Der Blog wurde von mir seit meiner Ankunft in Beijing vor mehr als 2 Jahren straeflich vernachlaessigt, fortan moechte ich nun wieder mehr ueber meine Aktivitaeten in Asien berichten, mal sehen wie lange die Zeit & Muse dieses Mal ausreicht...

Nach der Praktikumszusage fuer Kuala Lumpur bei GBP International, einem kleinen deutschen Consulting-Unternehmen, blieben mir noch etwa 3 (freie) Wochen, die ich nicht ungenuetzt verstreichen lassen wollte, somit ergab sich vor der Reise nach Malaysia noch ein zehntaegiger Zwischenstop in Beijing, um alte Freunde und Arbeitskollegen zu besuchen. Das war der offizielle Grund, wer den inoffiziellen kennt darf sich nun freuen, zu den 10% aller Blogleser zu gehoeren, die ueber mein Privatleben bestens informiert sind :-)

Der Flug war wie immer sehr anstrengend fuer mich, auf Grund der Tatsache dass ich erst um 23:00 in Muenchen abflog, einen fuenfstuendigen Aufenthalt in Dubai hatte und auf Fluegen generell nicht schlafen kann war ich also ca. 36 Stunden am Stueck auf den Beinen, der Jetlag hielt sich aber zum Glueck in Grenzen. In Beijing nach Mitternacht angekommen waren die meisten Geschaefte am Flughafen bereits geschlossen, da ich aber unbedingt eine chinesische Simkarte benoetigte war ich froh darueber, dass man diese nun auch am Automaten bekommen kann, zumindest theoretisch: Simkarten fuer China Unicom waren noch verfuegbar, allerdings keine Guthabenkarten, um die Simkarte auch nutzen zu koennen. Gluecklicherweise konnte ich jedoch eine Guthabenkarte fuer China Mobile kaufen, nur um anschliessend zu erfahren, dass es keine China Mobile Simkarten mehr gab. Murphy's Law laesst gruessen, irgendwie habe ich es aber trotzdem bis zum naechsten Tag ohne Handy ueberlebt.

In Beijing hat sich im Grunde nicht viel veraendert, es wird immer noch viel gebaut, die Luftqualitaet hat sich ein wenig gebessert und das gute alte Suzie Wong steht auch noch. Auf Sightseeing hatte ich verstaendlicherweise keine Lust, Maerkte & Shoppingcenter musste ich aus purem Selbstschutz (Nur 20kg Gepaeck fuer den Weiterflug) meiden, somit wurde die meiste Zeit mit Essen, Fortgehen und Ganzkoerpermassagen verbracht, keine Einwaende meinerseits.

Zu den logistischen Herausforderungen des Hinflugs zaehlte die Tatsache, dass es in Beijing auch Mitte Maerz noch unter null Grad haben kann, in Kuala Lumpur hingegen das ganze Jahr angenehme 30-35 Grad vorherrschen. Ins Gepaeck kamen also nur 2 duenne Pullover und eine duenne Jacke, lange konnte ich mich in Beijing also nicht im freien Aufhalten, dafuer hatte ich aber kein Unnuetzes Gepaeck zu schleppen.

Am 19. Maerz ging es also ueber Guangzhou (Suedchina) weiter nach Kuala Lumpur. Ob man dies als den bereits zweiten Besuch werten kann ist fraglich, auf jeden Fall gelang Beni und mir letztes Jahr das Kunststueck, auf der Rueckreise von Bali nach Hong Kong innerhalb von 6 Stunden in KL auszuchecken, 45km ins Stadtzentrum zu fahren, die Twin Towers bewundern, 2 Bier zu trinken und rechtzeitig den Weiterflug zu erwischen.

Da ich der einzige Praktikant bei meinem jetzigen Arbeitsgeber bin musste ich mich um die Unterkunft in KL selbst kuemmern, trotz vielerlei Telefonaten und Kontakten seitens meines Vorgaengers war es mir aber nicht moeglich, vor meiner Ankunft eine Wohnung zu finden, abgesehen wollte ich mein zukuenftiges Heim fuer die naechsten 6 Monate gerne vorher selbst besichtigen. Trotzdem stand ich nach meiner Ankunft nicht ohne einem Dach ueber dem Kopf da, dank der Reisefreudigkeit und der damit verbundenen Freunde meiner Schwester bekam ich nach kurzer Kontaktaufnahme von einer ihrer Freundinnen das Angebot, vorruebergehend bei ihr in KL zu wohnen, bis ich meine eigenes Appartment beziehen kann.

Die Wohnungssuche hier ist sehr einfach, nachdem man einen Makler gefunden hat und ihm das gewuenschte Budget bzw. Wohngegend mitteilt kann man nach Besichtigung in der Regel nach wenigen Tagen einziehen. Unerwartet hoch sind jedoch die Zusatzkosten, welche immer anfallen: Fuer rund 400-500 Euro bekommt man zwar ein schoenes Appartment (rd. 50qm) im Stadtzentrum mit Pool, Fitnessraum und sonstigen Annehmlichkeiten, dazu kommen aber die Gebuehren fuer den Makler, Strom, Wasser, Gas, TV, Internet, 2 Monatsmieten im Voraus und 2 Monatsmieten Kaution, noch dazu erhoeht sich die Miete, wenn man fuer weniger als ein Jahr eine Bleibe sucht. Summa summarum also eine Menge Geld, noch dazu sind die meisten Appartments nur mit dem Notwendigsten eingerichtet, so dass man erstmals einen Grosseinkauf bei Ikea taetigen muesste.

Die zweite Alternative waere eine WG mit einem oder zwei anderen Praktikanten zu guenstigeren Konditionen gewesen, allerdings bot mir die oben erwaehnte Freundin meiner Schwester an, fuer eine geringe Miete bis September auch gerne bei ihr wohnen zu koennen. Natuerlich sage ich da nicht Nein, wir teilen uns zu zweit ein Art Reihenhaus in einem gruenen Vorstadtbezirk ('Hartamas'), ich brauche zwar taeglich ca. 30 Minuten mit dem Taxi in die Arbeit (was mich ca. 3 Euro kostet), dafuer muss ich keine grossen Investitionen taetigen und hab local-insider-information aus erster Hand wo ich was bekomme, wo die besten Restaurants sind und was sich nach Bueroschluss so tut.

In KL hat man sich sehr schnell eingelebt, zum Einen ist Asien fuer mich ja mittlerweile alles andere als Neuland, zum Anderen ist Malaysia kein Vergleich zu China. Von der Aehnlichkeit her laesst sich KL meiner Meinung nach am ehesten mit Singapur vergleichen, aufgrund der Naehe der beiden Staedte ist dies allerdings nicht verwunderlich. Aehnlich wie in Singapur ist die Bevoelkerung alles andere als homogen, 52% sind Chinesen, 39% Malaien und 6% Inder. Europaer, Amerikaner und Australier sind hier abgesehen von einigen Touristen deutlich weniger zu sehen als z.B. in Hong Kong, Shanghai oder Singapur, dies liegt vorallem daran, dass Malaysia wirtschaftlich gesehen zwar keine unwichtige, aber auch keine tragende Rolle spielt. Das Bruttoinlandsprodukt entspricht etwa dem der tschechischen Republik (~Rang 40 weltweit), per capita steht Malaysia je nach Quelle auf Platz 50-60. Dazu muss gesagt werden, dass das Leben in einer Metropole wie KL nicht dem Leben eines Durchschnitts-Malaien im Landesinneren entspricht, mit nur rund 2 Millionen Einwohnern ist KL im asiatischen Vergleich auch keine Megastadt.

Vergleiche zu ziehen faellt in Asien immer schwer, da jedes Land einzigartig ist, deswegen hier eine kurze Sammlung von Eindruecken von KL, dies laesst sich jedoch nicht auf ganz Malaysia uebertragen:
  • Anfangs faellt auf, dass so gut wie jeder hier Englisch kann, zumindest genug um eine kurze Konversation zu fuehren bzw. einfache Dinge zu verstehen. Selbst Taxifahrer verstehen auf Anhieb, wohin man moechte.
  • Mit dem Klima komme ich erstaunlich gut zurecht, es hat zwar tagsueber immer rund 30-35 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit, Nachmittags bzw. Abends erfrischt viel Regen aber immer die Luft, dazu sind saemtliche Gebaeude und Taxis aber gut klimatisiert. 
  • Kulinarisch gesehen ist KL das Paradies auf Erden, man kann fuer wenige Euro gut essen und das Angebot ist schier unermesslich.
  • Malaysia ist muslimisch gepraegt (auch auf politischer Ebene), allerdings nicht so streng wie in arabischen Laendern. Frauen mit Kopftuechern gehoeren zum Strassenbild, fuer nicht Muslime gibt es aber keine Einschraenkungen. Einzig Alkohol ist sehr teuer, teilweise ueber europaeischem Niveau.
  • Die Gesamtbevoelkerung betrachtet machen Chinesen nicht die Mehrheit aus, allerdings hat die chinesischstaemmige Bevoelkerung die Wirtschaft zum Grossteil in der Hand, da diese Chinesen schon seit Jahrhunderten in dieser Region zugegen sind kann man sie auch nicht mit den Chinesen in China vergleichen.
  • Im Gegensatz zu anderen Grossstaedten ist das oeffentliche Verkehrsnetz noch ausbaufaehig, somit sind Autos/Taxis das praeferierte Fortbewegungsmittel. Da Malaysia eine ehemalige Kronkolonie Grossbritaniens (und auch der Niederlande) ist, herrscht Linksverkehr.
Bis dato hatte ich leider noch keine Zeit, fuer ausreichend Bildmaterial zu sorgen, dies wird natuerlich noch nachgeliefert. Auch werde ich zu einem spaeteren Zeitpunkt ueber meine Praktikumstaetigkeit berichten, nach 2 Wochen bin ich schon in diverse Projekte eingebunden, leite selbst zwei davon und geniesse enorm viel Vertrauen und Handlungsspielraum. Vor 10 bin ich nicht im Office, kann bei Bedarf frueher nach Hause gehen, dafuer kommt es auch vor, dass ich bis Mitternacht im Buero sitze. Flexibilitaet ist also angesagt, allerdings liegt mir dies bekanntermassen mehr als ein strikter Zeitplan.

Das kommende Wochenende geht's erstmals zum Formel 1 Rennen nach Sepang, fuer die naechsten 5 Monate stehen natuerlich auch diverse Ausfluege und Reisen auf dem Programm, ich halte euch auf dem Laufenden.