Freitag, 14. Dezember 2007

Semesterende / Thailandurlaub

Zu Beginn dieses Blogeintrages sitze ich im Flieger von Hong Kong nach Bangkok und freue mich riesig auf den bevorstehenden Urlaub! Die letzten Tage in Korea verliefen erstaunlich unspektakulär, ich reise mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus diesem Land ab, jedoch dazu später mehr.

Zuallererst möchte ich noch festhalten dass mich der Elektronikteufel auf kaltem Fuß erwischt hat. Einen Tag vor Abflug ging gestern als Erstes meine Digitalkamera ein. Das Display sowie die entstandenen Fotos zeigen nur Streifen, ich vermute dass entweder Feuchtigkeit ins Innere gelangt ist oder die Kamera nach ein paar Jahren einfach das Zeitliche gesegnet hat. 3 Stunden später musste ich dann feststellen dass auch mein Ipod im Sterben lag (Gut – mag er eben nicht wenn er mir vom Bett runterfliegt) und sämtliche Reanimationsversuche (Festplatten-Rhythmus Massage, chirurgische Öffnung und Inspektion des Innenlebens) ohne nennenswerte Erfolge blieben. Der Lesekopf bleibt ständig hängen, ich komm nicht mal mehr ins Menü. Diagnose: Keine Garantie mehr, also wieso sollte er noch funktionieren?!

Auch der Ipod hat mir eine Zeitlang gute Dienste geleistet, somit war es klar dass Ersatz so schnell als möglich her musste, denn ein Thailandurlaub ohne Kamera und MP3-Player ist schlicht und einfach ein Ding der Unmöglichkeit! Hong Kong sei Dank, der Duty-Free Shop bot mir eine große und durchaus günstige Auswahl, Weihnachten steht vor der Tür (Ich beschenke gerne meine Nächsten – also mich) und damit werde ich den heutigen Abend damit verbringen, mich mit meinem neuen Spielzeug zu vergnügen. Von Bangkok geht es dann per Flieger direkt nach Phuket und im Anschluss morgen früh per Boot auf Koh Racha Yai.

Die heutige Nacht werde ich seit langem wieder alleine verbringen und niemand kann sich vorstellen wie sehr ich mich danach sehne endlich im Hotel zu sein und einfach nur Ruhe zu genießen. Ich habe mich hier in Korea den Gegebenheiten angepasst, kein eigenes Zimmer zu haben, sonderlich glücklich war ich jedoch nicht. Mir war zuvor durchaus bewusst dass die kulturellen Unterschiede groß sein werden und ich hatte nie ein größeres Problem damit, bis auf die eine Sache – das Dormitory. Ich wundere mich gerade dass ich dieses Thema eigentlich noch nie im Blog erwähnt habe, vermutlich fällt es mir erst jetzt auf, wie unangenehm es für mich war.

Versprochen wurde uns vorab ein Aufenthalt im Zweibettzimmer, jedoch ist der Grundsatz „First come, first served“ auch hier in Korea bekannt. So kam es also dass wir (Ich, Ma Hua aus China, Nam & Son Hoo (oder so) aus Korea) gemeinsam in ein Zimmer verfrachtet wurden. Ich hab mich mit allen super verstanden (Speziell mit Ma Hua, einer der wenigen Chinesen der auch gerne von der anderen Seite Chinas (Kulturrevolution, Tibet & Taiwan-Konflikt) offen und ehrlich berichtet), jedoch kann ich eines partout nicht ausstehen: Jemand, der neben mir schnarcht! Son Hoo kann nichts dafür, aber über den Zeitraum von 4 Monaten wurde mir Schlaf en masse geraubt. Teilweise war es so laut, dass nicht mal Ohropax weiterhalfen. Dies und mein mittlerweile komplett zerstörter Tagesrhythmus (jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten aufstehen) sorgten sicher für ein eine klare Minderung der Lebensqualität.

Den Zustand des Dormitories kann man des Weiteren durchaus als schlecht bezeichnen. Gemeinschaftsduschen, Gemeinschaftstoiletten und jeden Monat wurde „desinfiziert“ da es schon mal vorkommen konnte dass die eine oder andere Kakerlake meinen Weg kreuzte. Für mich war es Teil eines Aufenthaltes der mein Leben bereicherte wie es in der kurzen Zeit von vier Monaten nicht besser möglich ist den man eben durchstehen musste, jedoch nicht auf Dauer. Es gab negative und positive Aspekte, um es in einen Satz zu fassen würde ich sagen dass ich es keinesfalls bereue, dieses Exchangesemester absolviert zu haben, jedoch würde ich nicht freiwillig noch ein zweites Semester dranhängen, solange die Unterkunft die selbe ist. Wer mich kennt der weiß dass ich Wert auf Sauberkeit und Ordnung lege (was mein Zuhause angeht), dies war jedoch bei vier Leuten auf 15 Quadratmeter nicht möglich.

Da mir im Moment tausende Sachen durch den Kopf gehen die unbedingt zu Papier gebracht werden sollten möchte ich im folgenden Abschnitt auf sämtliche Erfahrungen und Beobachtungen eingehen, welche ich in den letzten vier Monaten gemacht habe und die Erwähnung finden sollten.

Über das Unileben hier habe ich bereits ausschnittsweise berichtet, um ein Resümee zu ziehen muss ich ehrlich zugeben dass ich mich dieses Semester definitiv nicht überanstrengt habe. Es ist wahnsinnig leicht einen Kurs positiv zu absolvieren, da ich Österreicher bin galt dies auch hier in Korea als oberste Maxime. Bis zum jetzigen Zeitpunkt durchblicke ich das System der Notengebung nicht vollständig und es wird mir auch immer ein Rätsel bleiben. In Fächern mit wenigen Studenten müssen die Professoren zB keine Fs (also 5er) bzw. Ds (4er) hergeben wenn sie der Meinung sind dass alle „ausreichend“ viel Wissen aufgenommen und vor allem die Anwesenheitspflicht befolgt haben. Soll heißen: Gemessen wird immer am Besten (=100% (A+)) und danach absteigend bis C+ oder C0 benotet.

Zusaetzlich haben alle Exchange-Studenten einen inoffiziellen Sonderstatus, durchfallen ist als Austauschstudent praktisch unmöglich. Für Koreaner bedeutet dieses System nur eines: Stress! Sie lernen bis zum Umfallen und das ist wortwörtlich zu nehmen. Es gilt möglichst gute Noten zu schreiben um nach Graduierung in eines der Topunternehmen Koreas zu kommen, sei es nun LG, Samsung, Hyundai, Daewoo, etc.

Prüfungsergebnisse werden nicht nach Matrikelnummer sondern nach Punkteanzahl sortiert und ständig ist man einem ungeheuren Leistungsdruck ausgesetzt. Mein Zimmerkollege hatte heute (14.12.) seine letzte Abschlussprüfung, die letzte Woche hat er JEDEN Tag von 8 Uhr morgens bis 3 oder 4 Uhr früh in der Bibliothek verbracht. Teilweise war er so fertig dass in der Früh der Wecker in voller Lautstärke 5 cm neben seinem Ohr geläutet hat und er nicht munter wurde. Das letzte Mal als ich ihn sah war Donnerstagmorgen da er von diesem Zeitpunkt an bis zum Prüfungstermin, also rund 24 Stunden durchgehend lernen musste. Vor der Bibliothek bilden sich um 6 Uhr morgens bereits Schlangen sobald die Final Exams näher rücken. (Hab ich zumindest gehört, nicht dass jemand glaubt ich würde so bald aufstehen :p)

Das Ganze hat einen logischen Hintergrund; viele studieren, nur wenige finden danach einen Job. Rekrutiert wird bei koreanischen Unternehmen immer im Oktober/November, nicht selten kommen 10.000 Bewerber (!!!) auf 200 ausgeschriebene Stellen, so wie es dieses Jahr in einer Sparte von Samsung der Fall war. Die gesamte Bewerbung dauert meist 2 Tage und beinhaltet mehrere schriftliche und mündliche Prüfungen. Eine Koreanerin erzählte dass ihr Freund ihr vor kurzem erklärte er könne sie für das nächste Jahr nicht mehr sehen, da er zu lernen hätte. Unbegreiflich.

Um einen Kontrast zu diesem harten Alltag zu finden beschäftigen sich manche Koreaner ausgiebig mit Onlinespielen wobei Starcraft immer noch ganz oben an der Spitze steht. Da ich vor dem Schlafengehen immer gerne auf dem Dach des Dormitories eine letzte Zigarette geraucht habe hab ich mir einen guten Überblick darüber verschafft, wann die meisten zu Bett gehen. Um 3 Uhr morgens brannte in der Regel in ¾ von allen Zimmern Licht.

Fortgehfreudig sind die Wenigsten, da führten wir Exchangestudenten eindeutig die Rangliste an. Wenn Koreaner fortgehen betrinken sie sich meist maßlos und enden darin irgendwo herumzuliegen um die letzte Jause wieder zu retournieren. Generell waren wir hauptsächlich in Suwon in der Nähe des Campus unterwegs, jedoch wurde dies nach kurzer Zeit unheimlich langweilig da Suwon in dieser Hinsicht nicht viel zu bieten hat. Wer Spaß haben will muss in Seoul unterwegs sein. In Hongdae, dem Univiertel gibt es jede Menge großartiger Clubs welche musikalisch wirklich jedes Genre abdecken.

Seoul hat natürlich noch um einiges mehr zu bieten auch wenn die Stadt meiner Meinung nach an einem Identitätsverlust leidet, welcher sich quer du die koreanische Gesellschaft zieht. Aufgrund des enormen Aufschwungs der letzten Jahre ist der westliche Einfluss deutlich spürbar, speziell bei der jüngeren Generation. Jene die den Koreakrieg noch selbst miterlebt haben sind sehr konservativ und besinnen sich auf alte koreanische Werte. Korea versucht sich strikt von China und Japan abzukapseln jedoch ist dies schwer möglich da alle 3 Länder sowohl geschichtlich als auch kulturell auf einer breiten Basis sehr ähnlich sind.

Wenn man längere Zeit hier verbringt entdeckt man zahlreiche Facetten an Asien, die einem vorher nie in den Sinn gekommen wären. Jedes asiatische Land und seine Bewohner haben teils komplett unterschiedliche Ansichten und Wertschätzungen so wie es auch bei uns in Europa der Fall ist. Selbst China kann aufgrund der schieren Fläche und der Masse zwar als ein Land, jedoch nicht als ein Volk betrachtet werden. Obwohl alle Chinesen offiziell dieselbe Sprache sprechen und schreiben sind die Dialekte teils so verschieden dass sie sich untereinander trotzdem nicht verstehen.

Mittlerweile sitze ich am Flughafen in Bangkok und warte auf meinen Anschlussflug nach Phuket, welcher wie ich soeben erfahren habe eine Stunde Verspätung hat. Angesichts der Tatsache dass ich seit mehr als 36 Stunden nicht mehr geschlafen habe bin ich nun mehr als geschlaucht und freue mich nur mehr auf eine Dusche und ein Bett. Morgen werde ich bereits um 8 Uhr morgens abgeholt da das Boot um 9 nach Koh Racha Yai fährt.

Warum ich letzte Nacht kein Auge zugetan hab ist leicht erklärt; es war der letzte gemeinsame Abend mit allen Exchangestudenten welche ich die letzten 4 Monate doch tagtäglich gesehen habe. Abschied nehmen ist keine meiner Stärken und somit wollte ich auch gestern nicht das „Ich-hab-mit-dir-in-den-letzten-4-Monaten-zwar-nicht-viel-geredet-aber-trotzdem-will-ich-jetzt-noch-schnell-einen-auf-dicke-Freunde-machen-bevor-du-fliegst“-Spiel mitspielen, jedoch habe ich mich doch mit vielen Leuten mehr als gut verstanden und so kam es dass aus meinem Plan, früh ins Bett zu gehen mal wieder nichts wurde. Speziell um einige der Schweden tut es mir leid sie nicht mehr zu sehen da dieses Völkchen aus dem Norden außerordentlich gesellig und gutmütig ist.

Nach stundenlangem Verabschieden machte ich mich dann um halb sechs Uhr morgen mit zwei anderen Schweden (welche nach Malaysia flogen) auf um zum Flughafen zu fahren und meine Odyssee anzutreten. Übernachtungsmöglichkeiten in Schweden wurden mir zahlreich angeboten was mein Schwesterlein wahrscheinlich ebenfalls erfreuen dürfte, gehe ich recht?!

Somit wäre dieser Teil des Blogs nun vermutlich beendet, wobei ich selbstverständlich bei verfügbarer Zeit und Internetanschluss von meinem Thailand-Aufenthalt ausführlich berichten werde, vermutlich wird sich die Berichterstattung jedoch auf das Wesentliche, nämlich azurblaues Meerwasser, weiße Sandstrände und meine ersten Taucherfahrungen beschränken.

Sofern mir noch etwas Wesentliches zu Korea einfällt (und das wird es) werde ich dies selbstverständlich nachtragen, des Weiteren werde ich den Blog auch während meines Praktikumssemesters in Peking aktiv betreiben. Mittlerweile ist es kurz nach 9, ich sitze in einem etwas besseren Drehflügelflugzeug der Air Asia (gut – für 30 Euro braucht man nicht mehr erwarten) und hüpfe von einem Luftloch ins Andere. Keine Angst – wenn jemand außer mir diese Zeilen liest bedeutet dies dass ich bereits im Hotel bin und alles upgeloadet habe. Der Laden fliegt gleich auseinander – ich mach Schluss! Ich denk an euch wenn ich morgen bei 31 Grad im Schatten mit Nemo schnorcheln gehe!

P.S.: Beim nochmaligen Durchlesen fällt mir auf dass teilweise der Zusammenhang zwischen den Absätzen fehlt; ich bitte dies zu entschuldigen, es gibt einfach zu viel Neues heute ;-)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hey! Noch mehr solche Fotos und es gibt was aufs ****! ;)Nein, sieht echt spitze aus! Wäre nun mal auch lieber dort als hier im hohen Norden...! Wünsch dir auf jeden Fall einen wunderschönen Urlaub und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Schöne Grüße! Michael