Sonntag, 26. August 2007

Die Fortsetzung der Entdeckungstour

Der Kulturschock ist bis jetzt im Großen und Ganzen ausgeblieben. Trotzdem muss man grundsätzlich offen sein für Neues und gewisse alte Schemata ablegen, um sich in der koreanischen Welt zurechtzufinden. Sobald man aber bereit dazu ist, sich anderen Sitten und Bräuchen gegenüber anzupassen und diese zu respektieren steht einem lehrreichen Aufenthalt nichts mehr im Wege.

Der zweite Orientation Day verlief ebenfalls unspektakulär, es ging in erster Linie um Inskription bzw. Wechsel der Kurse. Ebenfalls bekamen wir unsere Student-ID Card die mehrere Funktion wie z.B. Türöffner, Bezahlkarte für den Bus oder auch eine Bankomat-Funktion falls man ein Konto eröffnen möchte. Am Nachmittag stand eine kleine Tour durch Suwon auf dem Programm. Auf dem Foto ist die Vorliebe der Koreaner für Hochhäuser sehr leicht zu erkennen ;-)

Als erster Besichtigungsort stand die Hwaseong-Festung auf dem Programm. Diese wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Zu dieser Zeit umgab eine runde 5km lange Mauer die gesamte Stadt, ein Großteil der gesamten Festungsanlage wurde allerdings während des Koreakrieges zerstört und nur ein Teil wieder aufgebaut.

Anschließend gings zu einem nachgebauten Dorf, welches die Zeit während der Besatzung Koreas durch Japan widerspiegeln soll. Korea (inkl. dem heutigen Nordkorea und Teilen Chinas) war von 1910 bis 1945 vollständig von Japan annektiert. Da die japanische Besatzungsmacht grundlegende Rechte der Koreaner missachtete und Aufstände blutig niedergeschlagen wurden, sind Japaner in Korea auch heute noch wenig erwünscht. Vollständige Historie




Abends stand wiedermal ein ausführlicher Besuch diverser koreanischer Bars auf dem Programm.


Der darauffolgende Tag stand ganz im Zeichen eines ganztägigen Besuchs der Hauptstadt Koreas; Seoul. Das Busticket von Suwon nach Seoul kostet rund 1,40 € und ist somit das günstigste Verkehrsmittel um in rund 80 Minuten an den Stadtrand von Seoul zu kommen. Von dort steigt man in die Ubahn um, diese kostet rund 85 cent pro Strecke.

Was in Seoul sofort als Erstes auffällt sind Massen von Menschen und Autos. Tagsüber ist es noch erträglich, Nachts bewegt sich scheinbar die gesamte Bevölkerung auf den Straßen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 17.090 Einwohner je km² (Vergleich München: 4.300 Einwohner je km²). Des Weiteren besitzt Seoul die schlechteste Luftqualität aller Hauptstädte der OECD. Sich in dieser riesigen Stadt zurechtzufinden ist ohne Ortskenntnisse ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Raus aus dem Bus - Rein in die Ubahn - am Ziel wieder raus. So einfach wäre es in der Theorie, gäbe es nicht den Unterschied dass es in Korea absolut nicht üblich ist, alles in koreanisch UND englisch anzuschreiben. Da Koreaner aber wie bereits berichtet irrsinnig hilfsbereite Menschen sind konnte uns auch diesmal wieder jemand unter die Arme greifen. Ein rund 18-jähriger mit für koreanische Verhältnisse hervorragenden Englischkenntnissen bot uns jede Menge Informationen an nachdem wir mehr als hilflos vor verschlossenen Durchgangsschranken standen. Da es bei kleineren Station keine Ticketstellen gibt muss man hier Ticketautomaten benutzen. Diese nehmen aber nur Kleingeld in Form von 500 Won-Münzen. Um diese zu bekommen muss man vorher an anderen Automaten Scheine in Münzen tauschen, dies war allerdings nur mit "alten" Scheinen möglich. (Das koreanische Währungssystem wird anscheinend auf neue Scheine mit neuen Sicherheitsmerkmalen umgestellt, alte Scheine sind vereinzelt aber noch im Umlauf, jener Automat nahm aber nur alte Scheine). Von selbst kommt man auf solche Dinge allerdings nicht drauf.

Der Weg vom Stadtrand zum Ziel (Ein Markt- und Einkaufsgebiet) beinhaltete 2-faches Umsteigen, hier fing der Spaß erst richtig an. Da unserer Ubahnplan im Mini-Format nur koreanisch war, mussten wir bei jedem Mal die "Zeichenzusammensetzung" der Endstation mit den Schildern in der Station vergleichen, um die richtige Ubahn auch in die richtige Richtung zu nehmen. Bei zweiten Mal umsteigen fuhren wir also geradewegs in die falsche Richtung, was wir spätestens an der nächsten Station bemerkten. Also raus aus der Ubahn, Stiege rauf, Stiege runter und richtig; wieder in die falsche Richtung. Schlussendlich waren wir dann am Bahnhof in Seoul.

Des Weiteren gibt es verschiedene Preise der Ubahntickets, abhängig davon wie weit man fahren möchte. Man steckt das Ticket also beim Betreten des Bahnsteigs und macht dies ebenfalls wieder mit dem selben Ticket beim Verlassen. Blöd nur, wenn man weiter fährt, als das Ticket gültig ist, denn dann kommt man aus dem Ubahngelände nicht mehr raus, außer man besticht Reinigungspersonal für teures Geld, die Ausgangstüre zu öffnen.

Schlußendlich fanden wir dann doch zum "Dongdaeum Stadium", wo sich jede Menge Märkte und Einkaufszentren finden. Um ein Stückchen Heimatgefühl aufkommen zu lassen führte uns unser Weg direkt zum nächsten Burger King.

In jedem Geschäft der geschlossenen und überdachten flachen Märkte wird immer nur eine Art eines gewissen Produktes verkauft, z.B. Knöpfe, Bücher, Stoffe, etc. Hier wird hauptsächlich in großen Mengen gekauft. In den rund 10-15-stöckigen Einkaufszentren hat jeder Händler sein eigenes Areal wobei im jeweiligen Stockwerk nur ähnliche Shops zu finden sind, also in einem Herrenbekleidung, im nächsten Taschen, in einem anderen Schuhe, etc. Alle hier verkauften Produkte sind allerdings entweder von koreanischen Firmen hergestellt oder Noname, nur sehr selten findet man Fälschungen westlicher Marken.


Nach langem Herumlaufen war gegen 5 Uhr Nachmittag ein Zwischenstop im Kino fällig; Simpsons-Movie auf Englisch mit koreanischen Untertiteln. Als wir danach wieder auf die Straße traten, standen plötzlich hunderte von Marktständen am Straßenrand, als ob sie aus dem Boden gewachsen wären. Hier konnte man von gefälschten Schuhen über Sonnenbrillen und Jeans wirklich alles kaufen. Viele Stände verkaufen hier auch Essen zu wahrlichen Spottpreisen.

Die Qualität ist verhältnismäßig schlecht, erkennbar an den 4 Bechern mit eingebautem Kompass in der Mitte; alle Zeigen in 3 verschiedene Richtungen :-)

Mit Rechtschreibung nimmt man es hier im Übrigen auch nicht sehr genau.

Danach war auch schon Schluss, es ging wieder zurück nach Suwon und anschließend -richtig- in die nächste Bar. Diesmal waren auch mehrere andere Exchange-Studienkollegen unterwegs, bei einer Runde Poker, Dart, Pool und interkulturellem Austausch von Trinkgewohnheiten (mexikanischer Paloma: Cider mit Tequila, Zitrone und Salz, nur empfehlenswert!) war erst gegen halb 6 Uhr morgens Schluss.

Am darauf folgenden Tag stand also langes Ausschlafen und das Einkaufen von ein paar wichtigen Dingen (Fön, Waschmittel, Bügeleisen, etc.) auf dem Programm. Selbst am Sonntag hat hier einfach alles offen.

Mitlerweile ist es nach2 Uhr morgens, in 10 Stunden beginnt meine erste Unterrichtseinheit in "Business Workhop". Nebenbei muss ich hier doch auch studieren. Oder so tun als ob ;-)

Gute Nacht.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Hannes!

Gute Idee mit dem Blog! Find ich cool, dass du das machst, denn so musst nicht alle X-Mal erzählen.

Vielleicht gehst a bissl genauer auf so Ereigniss ein, wie zB die Ubahn-Odysse (schreibt man das so). Mich würde nämlich interessieren, wie genau man sich in einem Land zurecht findet, in dem fast niemand eine bekannte Sprache spricht, bzw. in dem eine völlig andere Schrift geschrieben wird...

Also dann... viel Spaß beim Studium, Chris

Hei hat gesagt…

Hi Johli,
klopfst ja ganz schön in die Tasten!! Danke für Deine ausführlichen Berichte. Wenn man Deine täglichen Erlebnisse realisiert, hat man das Gefühl Salzburg ist eine Ministadt um nicht zu sagen "Dorf". Schick dir morgen ein längeres Email. Ich wünsch Dir auf jeden Fall alles Gute für Deinen ersten Studententag in Korea. Liebe Grüsse und Bussi Mama